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Überblick über die Projekte der Förderrichtlinie „Finanzbildungsforschung“

Eine Bestandsaufnahme

kurzgefasst

Wie vielfältig ist aktuelle Forschung zu finanzieller Bildung in Deutschland? Die Bestandsaufnahme zur Förderrichtlinie „Forschung zu finanzieller Bildung“ eröffnet einen kompakten Einblick in die 28 geförderten Einzel- und Verbundprojekte mit ihren unterschiedlichen disziplinären, methodischen und praxisnahen Zugängen. Welche Themen und Zielgruppen stehen im Fokus, welche Methoden kommen zum Einsatz, mit welchen Praxispartnern wird zusammengearbeitet? Die Projekte werden im Hinblick auf ihr Potenzial für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und praxisorientierten Austausch erfasst und eingeordnet.


Im vorliegenden Beitrag stellen wir die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der insgesamt 28 Einzel- und Verbundprojekte dar, die derzeit in der Förderrichtlinie „Forschung zu finanzieller Bildung“ (vgl. Beitrag „Stärkung der Finanzbildungsforschung“) durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert werden. Ziel des Beitrags ist es, die geförderten Projekte zu erfassen und zu systematisieren, um einen strukturierten Überblick über die Aktivitäten in der Förderrichtlinie zu geben. Dabei stützt sich die Bestandsaufnahme auf zwei Quellen: die Projektkurzbeschreibungen der Zuwendungsempfänger sowie eine von Mai bis August 2025 durchgeführte Befragung der Projektleitungen aller Teilprojekte. In diesem Beitrag werden diese Daten deskriptiv und mithilfe von Textanalysen evaluiert und zusammenfassend dargestellt. Das zentrale Anliegen der Bestandsaufnahme besteht in der systematischen Sichtung und Gruppierung der geförderten Projekte. Dabei werden die Projekte hinsichtlich der disziplinären Zusammensetzung der Teams, der inhaltlichen Schwerpunkte, der forschungsmethodischen Zugänge sowie ihres Potenzials für wissenschaftlichen und praxisorientierten Austausch erfasst und eingeordnet. Dieser Überblick ermöglicht es, die Bandbreite der geförderten Vorhaben darzustellen. 

Geförderte Projekte im Überblick 

Die 28 geförderten Projekte umfassen neun Einzel- und 19 Verbundprojekte und weisen sowohl disziplinär als auch forschungsmethodisch eine große Bandbreite auf. Einzelprojekte werden jeweils von einer einzelnen Einrichtung getragen und ohne institutionelle Kooperation mit weiteren Partnern durchgeführt, während Verbundprojekte mehrere kooperierende Einrichtungen zusammenführen, die je eigenständige, aufeinander abgestimmte Aufgabenpakete innerhalb eines gemeinsamen Forschungsvorhabens bearbeiten. Insgesamt gliedern sich die 28 Projekte in 73 Teilprojekte an den beteiligten Einrichtungen, die in der Regel als eigenständige Zuwendungsempfänger innerhalb des Verbunds fungieren. Diese Teilprojekte werden an 59 Institutionen durchgeführt – darunter 41 Universitäten und Hochschulen, elf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie sieben weitere Organisationen und Bildungsträger. Damit deckt die Förderlinie ein breites Spektrum an Akteuren ab. Eine Wortwolke, die mithilfe einer Textanalyse aus den Kurzbeschreibungen aller Projekte erstellt wurde, gibt einen ersten Einblick in die thematische Ausrichtung der geförderten Projekte. In dieser werden die einhundert in allen Kurzbeschreibungen am häufigsten auftretenden Begriffe dargestellt. Am meisten treten die Begriffe finanzielle Bildung und finanzielle Kompetenz auf inklusive verwandter Begriffe wie z. B. Fähigkeiten. Ein weiteres Wortfeld bestimmt der Begriff Entwicklung, dieser ist im Kontext von konkreten Bildungsangeboten (auch Lehr-Lern-Arrangements) und Materialien zu sehen. Der Evidenzbezug der Projekte wird ebenfalls deutlich, da Begriffe wie Analyse, Erprobung, Evaluation und Erkenntnisse häufig genannt werden. Zielgruppen werden mehrfach erwähnt, hier tauchen Frauen, Schulen, (junge) Erwachsene und Lehrkräfte unter den genannten Begriffen auf. Auch der Aufbau von Praxispartnerschaften, Kooperations- und Transferstrukturen wird bereits deutlich.

Top 100 der häufigsten Wörter basierend auf den Kurzbeschreibungen der 28 Einzel- und Verbundprojekte.

Grafik Wortwolke
© Bucher-Koenen/Zhang/Yildiz


Die Aktivitäten der Forschungsprojekte erstrecken sich insgesamt über etwa fünf Jahre von September 2024 bis August 2029. Während 14 der insgesamt 73 Teilprojekte bereits 2024 starteten, nahm die Mehrheit (45 Teilprojekte) Anfang 2025 ihre Arbeit auf. Die verbleibenden Teilprojekte begannen im Laufe der ersten Jahreshälfte 2025. Daher konnten zum Zeitpunkt der Bestandsaufnahme einige Projekte bereits erste Designs entwickeln und erste Ergebnisse sammeln, während andere noch mit dem Aufbau ihrer Strukturen beschäftigt waren. Der Großteil der Projekte läuft bis in die Jahre 2027 und 2028. 

Beteiligte Forschende und Forschungsdisziplinen 

Insgesamt sind über 200 Forschende an den Vorhaben der Förderrichtlinie beteiligt. Die meisten Teilprojektteams bestehen aus zwei bis drei Mitgliedern, einige sind jedoch deutlich größer und zählen über sechs Mitarbeitende. Unter den mehr als 200 Forschenden stellen Professorinnen und Professoren mit 72 Beteiligten die größte Gruppe dar, gefolgt von 57 Promovierenden und 44 Postdocs. Diese Zusammensetzung spiegelt etablierte akademische Strukturen wider und zeigt zugleich die starke Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses. An den Forschungsvorhaben der Förderrichtlinie sind Personen aus zahlreichen Forschungsdisziplinen beteiligt. In Abbildung 1 sind die Forschungsdisziplinen der Teilprojektleitungen dargestellt, die den Fragebogen zur Bestandsaufnahme beantwortet haben. Besonders stark vertreten sind Forschende aus der Erziehungs- und Bildungswissenschaft sowie der Wirtschaftspädagogik und Wirtschaftsdidaktik. Zudem sind Forschende aus Betriebswirtschaftslehre/Finance, Volkswirtschaftslehre sowie aus den Bereichen Sozialpädagogik und Soziale Arbeit präsent. Ein geringerer Anteil der Projekte wird von Forschenden aus der Psychologie, der Soziologie, den Sozialwissenschaften und der Didaktik der Sozialwissenschaften geleitet. Bemerkenswert ist zudem, dass 48 von 73 befragten Teilprojektleitungen bereits zuvor im Bereich finanzieller Bildung geforscht oder gearbeitet haben, was auf eine ausgeprägte Vorerfahrung im Feld schließen lässt. Die von den Teilprojektleitungen benannten eigenen Forschungsschwerpunkte weisen einen starken thematischen Bezug zum Förderzweck der Richtlinie auf und verdeutlichen zugleich die disziplinäre und methodische Vielfalt der Vorhaben. So werden beispielsweise folgende Schwerpunkte genannt: den Zugang zu finanzieller Bildung durch pädagogische und didaktische Ansätze zu erleichtern, die Analyse psychologischer Prozesse finanziellen und ökonomischen Verhaltens oder der Einsatz digitaler Werkzeuge im Kontext finanzieller Bildung.

Abbildung 1: Forschungsdisziplinen der Teilprojektleitungen. Diese Abbildung zeigt die Forschungsdisziplinen der Teilprojektleitungen. Grundlage ist die Frage aus dem Fragebogen: „Welcher wissenschaftlichen Disziplin würden Sie sich selbst am ehesten zuordnen?“ (N = 73).

Grafik Disziplinen
© Bucher-Koenen/Zhang/Yildiz


Forschungsschwerpunkte und -ziele 

In der Ausschreibung der Förderrichtlinie wurden sieben mögliche Schwerpunkte für Projekte vorgegeben. In der Bestandsaufnahme wurde die Zuordnung der Teilprojekte zu diesen Schwerpunkten erhoben. Einzelne Projekte können sich mehreren Schwerpunkten zuordnen. Abbildung 2 fasst die Ergebnisse zusammen.

Abbildung 2: Forschungsschwerpunkte der Förderrichtlinie. Diese Abbildung zeigt, welchen Forschungsschwerpunkten der Förderrichtlinie sich die Teilprojekte zuordnen. Grundlage ist die Frage aus dem Fragebogen: „Welche Förderschwerpunkte der Förderrichtlinie werden durch Ihr Vorhaben adressiert?“ Es konnten alle zutreffenden Antwortoptionen ausgewählt werden.

Grafik Forschungsschwerpunkte
© Bucher-Koenen/Zhang/Yildiz


Die meisten Teilprojekte lassen sich dem Schwerpunkt der didaktischen Entwicklung, Erprobung und Evaluation von innovativen Lehr- und Lernangeboten sowie von Bildungsmaterialien zuordnen: etwa zwei Drittel der Teilprojekte knüpfen hier an. Weitere Schwerpunkte sind die Erforschung begünstigender und hemmender Faktoren für eine gelingende finanzielle Bildung (41 %), die Entwicklung und Validierung von Messinstrumenten (35.6 %) sowie die Konzeption von Qualifizierungsangeboten für Lehrkräfte und Fachkräfte in der Erwachsenenbildung (34 %). Weitere, etwas seltener genannte Schwerpunkte sind Beiträge zur Entwicklung von Kompetenzrahmen, Systematic Reviews sowie Beiträge zum Aufbau einer validen Datengrundlage zum Stand der finanziellen Bildung in Deutschland. Die meisten Forschungsprojekte adressieren gleichzeitig zwei bis drei Forschungsschwerpunkte. Dabei wird die didaktische Entwicklung, Erprobung und Evaluation innovativer Lehr-/Lernangebote und Bildungsmaterialien häufig gemeinsam mit der Konzeption von Qualifizierungsangeboten für Lehrkräfte und Fachkräfte in der Erwachsenenbildung sowie Wirksamkeitsforschung zu begünstigenden und hemmenden Faktoren für eine gelingende finanzielle Bildung genannt. Demnach lässt sich eine starke Verknüpfung zwischen diesen drei Themenschwerpunkten erkennen. Ergänzend zu den Forschungsschwerpunkten der Förderrichtlinie wurden in der Bestandsaufnahme die Forschungsziele und zentralen Forschungsfragen der Projekte erhoben. Die Antworten der Projektleitenden lassen sich wie folgt thematisch zusammenfassen: 

  • Förderung finanzieller Kompetenzen bei spezifischen vulnerablen Gruppen (Jugendliche in Ausbildung, junge Erwachsene in prekären Lebenslagen, Erwachsene mit Grundbildungsbedarf, Personen mit Migrationshintergrund u. Ä.), 
  • Entwicklung von Bildungsmaterialien für schulische und berufliche Kontexte, 
  • Konzeption und Erprobung innovativer digitaler Lernformate, 
  • Entwicklung von Angeboten zur Qualifizierung von Lehrkräften und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, 
  • Evaluation und Assessment von Programmen der finanziellen Bildung sowie 
  • methodische Weiterentwicklung von Messinstrumenten und Datenbasen. 

Forschungsmethodische Zugänge der Projekte 

Insgesamt sind die geförderten Projekte stark empirisch ausgerichtet: Von den 73 befragten Teilprojektleitungen gaben 71 an, empirisch zu arbeiten, sei es durch die Erhebung neuer Daten oder durch die Nutzung bestehender Datensätze. Um zu ermitteln, welche Methoden in den Projekten konkret zur Beantwortung der Forschungsfragen eingesetzt wurden, wurde eine offene Frage gestellt. Die Antworten der Projektleitungen wurden inhaltlich analysiert und kategorisiert. Die in den Projekten verwendeten Methoden lassen sich in quantitative, qualitative und gemischte Ansätze (mixed methods) unterscheiden. Bei den quantitativen Methoden wenden die Projekte neben experimentellen Designs, wie randomisierten Feldexperimenten oder Prä-Post-Designs mit Wartekontrollgruppen, auch diagnostische und testtheoretische Verfahren, z. B. Situational Judgement Tests oder die Item-Response-Theorie, an. In der Mehrheit der Vorhaben kommen qualitative Methoden (z. B. Think-Aloud-Protokolle, Eye-Tracking-Studien, (Experten-)Interviews, geführte Gruppendiskussionen) sowie innovative technologische Verfahren, darunter Emotion Recognition und computerlinguistische Analysen, zum Einsatz. Die Wahl der Methoden richtet sich nach dem jeweiligen Forschungsziel des Projekts. Projekte, die die aktuelle Lage der Finanzbildung oder -kompetenz analysieren, arbeiten sowohl mit sekundäranalytischen Verfahren (z. B. Länder- und Zeitvergleiche, Systematic Reviews) als auch mit Primärdatenerhebungen und -analysen (z. B. Umfragen, Interviews). Einige Vorhaben verbinden die Analyse der Finanzkompetenz mit der Entwicklung von Bildungsangeboten. Besonders hervorzuheben sind hierbei partizipative und iterative Forschungsansätze wie Design-Based Research, Design Thinking oder Co-Design-Workshops, die eingesetzt werden, um Zielgruppen aktiv in die Gestaltung der Lernangebote einzubeziehen. Solche Ansätze ermöglichen es, Bedarfe zu identifizieren, Angebote zu entwickeln, diese zu erproben und im Anschluss zu evaluieren. Insgesamt lässt sich feststellen, dass ein Großteil der Vorhaben Methoden einsetzt, die vor allem der Beschreibung des Forschungsgegenstands dienen. Zugleich wird deutlich, dass die Projekte verschiedene methodische Ansätze nutzen und quantitative, qualitative, experimentelle und partizipative Verfahren kombinieren. Die methodische Vielfalt lässt sich unter anderem auf die interdisziplinäre Zusammensetzung der Projektteams zurückführen. So fließen Expertisen mehrerer Disziplinen, wie etwa der Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Psychologie, Ökonomie und Sozialwissenschaften in die Forschungsdesigns ein. Zudem verdeutlicht das Methodenspektrum, dass die Projekte nicht nur etablierte Verfahren anwenden, sondern auch explorativ mit neuen methodischen Ansätzen arbeiten und diese im Kontext der Finanzbildungsforschung weiterentwickeln. 

Zielgruppen und Kooperationsstrukturen 

Die Förderung finanzieller Bildung stellt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar. In einer zunehmend komplexen Finanzwelt, die von Digitalisierung, unsicheren Erwerbsbiografien sowie neuen Konsum- und Verschuldungsformen geprägt ist, gewinnen finanzielle Kompetenzen für Individuen aller Altersgruppen an Bedeutung. Wie bereits aus der Wortwolke und den Projektzielen deutlich wurde, liegt der Fokus vieler Projekte auf spezifischen Zielgruppen der finanziellen Bildung. Abbildung 3 veranschaulicht diese Zielgruppen.

Abbildung 3: Zielgruppen der Projekte. Diese Abbildung zeigt, welche Zielgruppen durch die Projekte adressiert werden. Grundlage ist die Frage aus dem Fragebogen: „Sie haben zuvor angegeben, dass Ihr Forschungsprojekt eine bestimmte Personengruppe adressiert. Welche genau?“ Mehrfachantworten waren möglich (N = 64).

Grafik Zielgruppen
© Bucher-Koenen/Zhang/Yildiz


Ein Großteil der Projekte richtet sich an junge Erwachsene, Menschen in prekären Lebenslagen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte. Letztere spielen eine zentrale Rolle, da Lehrende als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Finanzbildung einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern zugänglich machen. Projekte, die sich an Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Studierende, geflüchtete Menschen, Seniorinnen und Senioren und Menschen mit Grundbildungsbedarf richten, wurden mäßig häufig genannt. Viele der genannten Gruppen werden oft als vulnerable Gruppen in Bezug auf ihre Finanzkompetenz und/oder ihre finanzielle Lage eingestuft. Finanzbildungsangebote sind für sie daher von besonderer Bedeutung, da Finanzbildung die Teilhabe, Lebensplanung und wirtschaftliche Stabilität stärkt und so einen Beitrag dazu leisten kann, finanziell unsichere Lebenssituationen zu überwinden. Viele Projekte binden diese Zielgruppen bereits während der Forschungsarbeit ein, indem sie mit Praxispartnern kooperieren. Der Aufbau dieser Beziehungen ist ein wichtiger Bestandteil der Forschung, sowohl um Zielgruppen zu erreichen und Angebote zu erproben, als auch um Forschungsergebnisse nachhaltig an Politik und Praxis zu kommunizieren. Die Kooperationen tragen auch dazu bei, Finanzbildung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zu verankern.

Abbildung 4: Kooperationen mit Finanzbildungsanbietern. Diese Abbildung zeigt, mit welchen Anbietern von Finanzbildungsangeboten die Projekte kooperieren. Dargestellt sind die Antworten auf die Frage aus dem Fragebogen:„Kooperieren Sie in Ihrem Projekt mit Anbietern von Finanzbildungsangeboten? Wenn ja, mit welchen?“, bei der mehrere Antwortoptionen ausgewählt werden konnten (N = 73).“ Mehrfachantworten waren möglich (N = 64).“ (N = 73).

Grafik Kooperationen
© Bucher-Koenen/Zhang/Yildiz


Wie Abbildung 4 zeigt, kooperieren die Projekte am häufigsten mit Non-Profit-Organisationen und Verbraucherzentralen, gefolgt von Schulen, öffentlichen Verwaltungen und Erwachsenenbildungseinrichtungen wie Volkshochschulen. Kooperationen mit der Finanzwirtschaft und privaten Bildungsanbietern sind ebenfalls vertreten, während nur wenige Projekte Schuldnerberatung, Finfluencer oder Gesundheitseinrichtungen einbeziehen. Allerdings gaben 18 Teilprojekte an, keine formalen Kooperationspartner zu haben. Unter „Sonstiges“ wurden zudem einzelne Partner wie Bundesbank, Börse, Schufa, Krankenkassen, Justizvollzugseinrichtungen und Bildungsmedienautorinnen und -autoren genannt. Darüber hinaus berichteten 36 der befragten Projekte von weiteren Partnerschaften, die über die regulären Kooperationen hinausgehen. Diese umfassen ein breites Spektrum: wissenschaftliche Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, Partnerschaften mit Finanzinstitutionen sowie Akteure aus Bildung, Erwachsenenbildung, Verwaltung, Justiz und Gesundheitswesen. Auf die Frage, welche Stakeholder von den Projektergebnissen besonders profitieren können, nannten die Projektleitenden vor allem Akteure aus dem Bildungswesen und der Wissenschaftsgemeinde. Nahezu alle Projekte betrachten ihre Ergebnisse als unmittelbar relevant für Schulen, Hochschulen und die Lehrerbildung. Zahlreiche Vorhaben adressieren zudem politische Entscheidungsträger, Interessenvertretungen und Medien. Obwohl nur selten angegeben wird, dass die Forschungsergebnisse für die Finanzindustrie relevant sind, ist die Praxisanbindung klar erkennbar. Die breite Ansprache und Einbindung verschiedener Stakeholder zeigt den Anspruch der Förderrichtlinie und der beteiligten Projekte, auf vielen Ebenen wirksam zu sein. 

Fazit 

Die Bestandsaufnahme zeigt, dass die Förderrichtlinie ein breites und interdisziplinäres Spektrum überwiegend empirisch ausgerichteter Forschungsvorhaben umfasst. Zugleich ermöglicht die Übersicht, Gemeinsamkeiten zwischen den Vorhaben sichtbar zu machen. Dabei wird deutlich, dass neben der Erforschung begünstigender und hemmender Faktoren für eine gelingende finanzielle Bildung vor allem die Entwicklung von Lehr- und Lernangeboten sowie Bildungsmaterialien im Vordergrund steht. Praxispartner sowie Stakeholder aus dem Bildungswesen profitieren insbesondere von der Entwicklung dieser Angebote und Materialien. Die Projekte eint auch die Ausrichtung auf (vulnerable) Zielgruppen mit besonderem Bedarf an finanzieller Bildung. Auch die überwiegend empirische Ausrichtung zieht sich durch die Projekte. Darauf aufbauend können im nächsten Schritt gezielte Vernetzungsangebote entwickelt werden. Workshops und Konferenzen sowie der Dialog mit Politik und Praxis können dazu beitragen, die geförderten Vorhaben in den kommenden Phasen weiter zu unterstützen. Dem Metavorhaben Finanzielle Bildung (MetaFin) kommt hier eine besondere Rolle zu (vgl. Beitrag „Stärkung der Finanzbildungsforschung“). Letztlich stellt die Bestandsaufnahme zwar eine Momentaufnahme dar, sie ist zugleich aber auch ein Ausgangspunkt, um Kooperationen zwischen den Projekten, mit Praxispartnern und weiteren relevanten Akteuren gezielt zu fördern und damit die zukünftige Forschungs- und Praxislandschaft im Bereich der finanziellen Bildung nachhaltig zu gestalten. Denn die Kombination aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven, methodischen Ansätzen und der starke Praxisbezug eröffnen Chancen für Austausch, interdisziplinäre Zusammenarbeit und das Potenzial für die erfolgreiche Verankerung von Forschungsergebnissen in Praxis und Politik. 

Wir bedanken uns bei Carmela Aprea, Dirk Loerwald und Leah Zimmerer für hilfreiche Kommentare. 

Dieser Beitrag ist veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0. Er ist digital auffindbar unter: DOI https://doi.org/10.46499/2733.3785

Förderhinweis

Die Bestandsaufnahme ist Teil des Projektes „Metavorhaben Finanzielle Bildung (MetaFin)“, welches durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, jetzt Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, finanziert wird.

Förderkennzeichen 01BA2401B


Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen leitet seit Januar 2019 den ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nach­haltige Finanzmärkte“. Sie ist Professorin für Finanzmärkte an der Universität Mannheim und Co-Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE).

Sera Yildiz absolviert seit August 2024 ihren Master in Volkswirtschafts­lehre an der Universität Mannheim und arbeitet seit September 2024 als geprüfte Hilfskraft am ZEW. Derzeit unterstützt sie das MetaFin Projekt.

Youpeng Zhang promoviert seit 2021 im Fachbereich Finance am Center for Doctoral Studies in Business der Universität Mannheim und arbeitet seit September 2022 als Wissen­schaftler im ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“.