Stärkung der Finanzbildungsforschung
Die BMBFSFJ-Förderrichtlinie und das Verbundprojekt „MetaFin“
Finanzielle Bildung ist keine Spezialbildung für Finanzmarktakteure, sondern eine zentrale Kompetenz für alle Menschen – zur Bewältigung des Alltags, zur Orientierung in einer komplexer werdenden Welt und für eine aktive, reflektierte Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts tiefgreifender ökonomischer, technologischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse – etwa demografischem Wandel, veränderten Erwerbsformen oder der zunehmenden Digitalisierung und Komplexität von Finanzprodukten – gewinnt sie weiter an Bedeutung.
Um diesem wachsenden Stellenwert gerecht zu werden, wurde 2023 in Deutschland die Initiative Finanzielle Bildung ins Leben gerufen. Sie ist darauf ausgerichtet, eine nationale Finanzbildungsstrategie zu entwickeln, eine Finanzbildungsplattform (www.mitgeldundverstand.de) aufzubauen und die Forschung zu finanzieller Bildung deutlich zu stärken.
Ein zentraler Baustein dieser Aktivitäten ist die Förderrichtlinie „Finanzbildungsforschung“, die im November 2023 als Teil des Rahmenprogramms Empirische Bildungsforschung veröffentlicht wurde und durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) finanziert wird. Mit dieser Förderrichtlinie wird die Absicht verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige und lebensweltorientierte finanzielle Bildung in Deutschland zu stärken. Im Mittelpunkt stehen empirische Erkenntnisse zu Voraussetzungen, Prozessen und Wirkungen finanzieller Bildung sowie zur Frage, wie der Aufbau finanzieller Kompetenz effektiv unterstützt werden kann. Darüber hinaus soll mit der Förderrichtlinie ein Beitrag zur Stärkung der ökonomischen Allgemeinbildung, zur Teilhabe an ökonomischen Entscheidungsprozessen und zur Förderung von Chancengerechtigkeit geleistet werden.
Thematisch fokussiert die Förderrichtlinie auf die Modellierung und Messung von Finanzkompetenz, die Entwicklung, Erprobung und Evaluation innovativer Lehr-/Lernangebote und Bildungsmaterialien für spezifische Zielgruppen in formalen, non-formalen und informellen Settings entlang der Bildungsetappen des lebenslangen Lernens, die Erforschung begünstigender und hemmender Faktoren für eine gelingende finanzielle Bildung sowie die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Qualifizierungsangeboten für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
An der Förderrichtlinie sind aktuell 27 Verbund- und Einzelprojekte beteiligt, die ihre Arbeit zwischen Oktober 2024 und April 2025 aufgenommen haben, und deren Förderlaufzeit zwischen zwei und vier Jahren variiert (vgl. Beitrag „Eine Bestandsaufnahme. Überblick über die Projekte der Förderrichtlinie ‚Finanzbildungsforschung‘“ in diesem Heft). Insgesamt sind etwa 200 Forschende aus verschiedenen Disziplinen beteiligt, z. B. aus der Wirtschaftspädagogik/Wirtschaftsdidaktik, den Wirtschaftswissenschaften, der Erwachsenenbildung, der Psychologie oder der Soziologie.
Ein weiteres Projekt, nämlich das Metavorhaben Finanzielle Bildung (MetaFin), begleitet die Projekte der Förderrichtlinie. Es wird als Verbundprojekt des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE) – einem gemeinsamen Forschungsinstitut der Universität Mannheim und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) – sowie des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) mit Sitz in Oldenburg durchgeführt und ist seit September 2024 mit einer Laufzeit von fünf Jahren aktiv.
Handlungsfelder des Projekts MetaFin![]() © MetaFin |
MetaFin zielt darauf, die Projekte der Förderrichtlinie untereinander zu vernetzen, gemeinsame Forschungsfragen zu bearbeiten und nationale wie internationale Erkenntnisse zur Finanzbildung zu bündeln und adressatengerecht aufzubereiten. Ferner stärkt MetaFin die Qualitätssicherung der geförderten Projekte, macht Querbezüge sichtbar, fördert die Übertragbarkeit der Ergebnisse und erhöht deren Praxisorientierung sowie die nationale und internationale Sichtbarkeit. Langfristig unterstützt MetaFin die theoretische und methodische Weiterentwicklung der Finanzbildungsforschung und trägt so zu einer evidenzbasierten Finanzbildungspolitik und -praxis in Deutschland bei. Dieser Zielsetzung entsprechend werden in MetaFin drei zentrale Handlungsfelder bearbeitet: Vernetzung, Begleitforschung sowie Wissenstransfer und -kommunikation.
Im Mittelpunkt steht das Community Building der an der Förderrichtlinie beteiligten Forschenden, unterstützt durch Konferenzen, Workshops und eine regelmäßige Brownbag-Seminarreihe. MetaFin fungiert darüber hinaus als Schnittstelle zur internationalen Finanzbildungsforschung sowie zu beteiligten bzw. angrenzenden wissenschaftlichen Disziplinen, ähnlichen Programmen der empirischen Bildungsforschung und zu Stakeholdern aus Praxis und Politik. Dies erfolgt beispielsweise über die offizielle MetaFin-Webseite (www.meta-fin.eu), über die Präsentation der Förderrichtlinie auf Konferenzen sowie über Publikationen, einschließlich der Etablierung der Zeitschrift Forum für finanzielle und ökonomische Bildung. Zudem werden im Clearinghouse Finanzbildungsforschung (CHF) (www.chf-website.info) wissenschaftliche Erkenntnisse zur finanziellen Bildung gebündelt, bewertet und verständlich aufbereitet. Das CHF beobachtet laufend die nationale und internationale Forschung, arbeitet an projektübergreifenden Begleitforschungsvorhaben, erstellt Forschungssynthesen für Wissenschaft, Bildungspraxis und -politik und stellt geprüfte Messinstrumente sowie zentrale Begriffe der Finanzbildungsforschung systematisch bereit. Durch diese Angebote stärkt das CHF die Evidenzbasis, unterstützt die Qualitätssicherung und fördert den Wissensaustausch im Feld der finanziellen Bildung.
Dieser Beitrag ist veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0. Er ist digital auffindbar unter: DOI https://doi.org/10.46499/2733.3784
Autorinnen und Autoren
Prof. Dr. Carmela Aprea ist Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme an der Universität Mannheim. Sie ist zudem Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE).
Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen leitet seit Januar 2019 den ZEW-Forschungsbereich „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“. Sie ist Professorin für Finanzmärkte an der Universität Mannheim und Co-Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE).
Prof. Dr. Dirk Loerwald ist Professor für Ökonomische Bildung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Wissenschaftlicher Leiter des Oldenburger Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) und Wissenschaftlicher Leiter des ökonomischen Experimentallabors Ox-Lab.
