Abstinenz, Renitenz oder Governance?
Strategien für Nachhaltigkeitstransformation und BNE
Dass wir der globalen Erwärmung entgegenwirken müssen, ist unstrittig. Die Frage, wie wir das schaffen können, ist es nicht. „Wir“, das sind angesichts der Problemlage die über 8 Mrd. Menschen, die aktuell die Erde bevölkern. Wie können wir uns in der Welt so koordinieren, dass möglichst alle an einem Strang ziehen? Die aktuelle Strategie der UNESCO und der unter ihr vereinten Staaten besteht darin, in zweierlei Hinsicht zu mobilisieren: Im persönlichen Leben soll man sich einen nachhaltigen Lebensstil zu eigen machen; im öffentlichen Leben soll man für Nachhaltigkeit auf die Straße gehen und die Politik dadurch zu einem Wandel und zu einer Abkehr von einer grenzenlosen Wachstumspolitik bewegen. Gefordert und gefördert werden also „Abstinenz“ und „Renitenz“. Man soll lernen, den eigenen Konsum zu beschränken und sich fragen, was man wirklich für ein gutes Leben braucht. Auch die Gesellschaft als Ganze sollte sparsamer mit wertvollen Ressourcen umgehen und insofern partielle oder tendenzielle Abstinenz üben. „Renitenz“ wird benötigt, um die trägen Massen und die politische Führung wachzurütteln. Diese Mobilisierungsstrategie scheint bisher aufzugehen, zumindest was die entsprechende Emotionalisierung betrifft. Ob die davon erwarteten Wirkungen auch umfänglich eintreten, darf jedoch bezweifelt werden. Beklagt wird eine Kluft bzw. Diskrepanz zwischen den eigenen Ansprüchen und dem faktischen Handeln. Teilweise…
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Autor
Prof. Dr. Gerhard Minnameier ist pensionierter Professor für Wirtschaftsethik und Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt und forscht in den Bereichen der Entwicklung des moralischen Denkens und Handelns, der ökonomischen Theorie der Moral, der pragmatistischen Erkenntnislogik in der Tradition von Charles Sanders Peirce und der daraus abgeleiteten inferentiellen Lehr-Lerntheorie.