In vielen Bereich von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik sind dynamische Transformationsprozesse zu beobachten. Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel und De-Globalisierung implizieren ökonomische Chancen und Herausforderungen in individuellen Lebenssituationen, für unternehmerisches Handeln und hinsichtlich der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Daraus ergeben sich wiederum neue Anforderungen an die finanzielle und ökonomische Bildung; insbesondere mit Blick auf die Förderung einer sachgerechten und verantwortungsbewussten Urteils- und Entscheidungskompetenz.
Transformation im 21. Jahrhundert
Entwicklungen und Implikationen für die finanzielle und ökonomische Bildung
kurzgefasst
Transformation ist ein Kennzeichen des Lebens in der modernen Gesellschaft: Klimawandel, demografischer Wandel, Wertewandel, Digitalisierung, Globalisierung und geopolitische Machtverschiebungen sind nur einige Schlagworte, die auf grundlegende und einschneidende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Veränderungen verweisen. Auf der einen Seite sieht sich die Menschheit heute Problemen gegenüber, mit denen sie – zumindest in dem gegenwärtig zu beobachtenden Ausmaß – in ihrer Geschichte noch nie konfrontiert war und zu deren Entschärfung bisherige Strategien und Mittel nicht ausreichen (vgl. Koller, 2022). Auf der anderen Seite bergen Transformationsprozesse auch Chancen in sich. So ermöglicht beispielsweise die Digitalisierung von Produktionsprozessen Effizienzsteigerungen und Innovationen durch technischen Fortschritt. Auch die ökologische Transformation kann als Chance gesehen werden für ein nachhaltiges und ressourcenschonendes Wirtschaftswachstum und damit als Wohlstandsgarant auch für zukünftige Generationen. Wandel und Veränderungen sind grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil. Auf den griechischen Philosophen Heraklit geht die Aussage zurück, dass nichts so beständig sei, wie der Wandel. Die aktuell zu beobachtenden Transformationsprozesse sind aber so umfassend und finden in einem so hohen Tempo statt, dass sie als „epochaltypisch“ (Klafki, 1991) bezeichnet werden können. Wir erleben in vielen voneinander unabhängigen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft eine „große Beschleunigung“ (Stöcker, 2023). Die Ursachen vieler der heutigen globalen Krisen liegen in einem exponentiellen Wachstum. Und hier – so Stöcker (ebd.) – versage die menschliche Intuition, weil diese evolutionär an lineare Entwicklungen angepasst sei und exponentielle Prozesse systematisch unterschätzt werden. Aber nicht nur das Tempo, sondern auch das Ausmaß der aktuellen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse ist erheblich. Schneidewind (2018) konstatiert einen „massiven ökologischen, technologischen, ökonomischen, institutionellen und kulturellen Umbruchprozess zu Beginn des 21. Jahrhunderts“. Diese Transformationsprozesse verändern neben vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch die Bedingungen wirtschaftlichen Handelns grundlegend. Sie greifen tief in Marktstrukturen, Unternehmensprozesse und individuelle Entscheidungen ein und erzeugen gleichermaßen neue Chancen, aber auch Risiken sowie weitreichende Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit aller wirtschaftlichen Akteure. Daraus ergeben sich zugleich neue Erwartungen an die Wirtschafts- und Finanzbildung: Sie muss Menschen befähigen, in einem Umfeld wachsender Komplexität, Unsicherheit und Dynamik informierte, verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen. Ebenso soll sie Urteilskompetenz sowie Reflexions- und Kritikfähigkeit stärken, damit wirtschaftspolitische Optionen des Wandels verstanden, kritisch bewertet und im Rahmen demokratischer Prozesse fundierte Wahlentscheidungen getroffen werden können.
Im vorliegenden Beitrag nehmen wir die beschriebenen Entwicklungen genauer in den Blick. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit orientieren wir uns dabei an dem in der Literatur etablierten Konzept der „Vier Ds“ (z. B. Demary et al., 2021), das die zentralen Umbrüche Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografischer Wandel und De-Globalisierung erfasst. Wir erläutern zunächst diese Umbrüche und ihre Folgen für die wirtschaftlichen Akteure. Darauf aufbauend skizzieren wir, welche Implikationen sich hieraus für die finanzielle und ökonomische Bildung ableiten lassen, wobei auch Schnittstellen zu anderen Bildungsbereichen, so etwa die digitale Bildung oder die Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgezeigt werden.
Digitalisierung
Die Digitalisierung beschreibt einen tiefgreifenden technologischen Wandel, der durch die Verbreitung digitaler Infrastrukturen, datenbasierter Technologien und vernetzter Geschäftsmodelle vorangetrieben wird. Innovationssprünge in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Big Data, Cloud-Computing, Robotik, Plattformökonomie, FinTech oder Industrie 4.0 verändern in hoher Geschwindigkeit Wertschöpfungsketten, Kommunikationsprozesse und Entscheidungsstrukturen. Die digitale Transformation vollzieht sich nicht als isolierter Techniktrend, sondern als umfassender gesellschaftlicher und ökonomischer Strukturwandel, dessen Dynamik und Reichweite zentrale Merkmale disruptiver Transformation aufweisen. Die Auswirkungen betreffen unterschiedliche Akteursgruppen in spezifischer Form. Für Märkte und Unternehmen bedeutet Digitalisierung eine grundlegende Neuausrichtung etablierter Geschäftsmodelle: Wertschöpfungsprozesse werden automatisiert oder in digitale Plattformen integriert, Daten werden zu einem strategischen Produktionsfaktor, und Wettbewerbslogiken verschieben sich zugunsten weniger großer, netzwerkbasierter Anbieter. Unternehmen müssen technologische Kompetenzen ausbauen, Cyberrisiken managen und zugleich strategische Entscheidungen über Investitionen, Qualifizierung und organisatorische Anpassungen treffen. Digitale Dienstleistungen, E-Commerce, KI-gestützte Prozesse und algorithmische Entscheidungsverfahren verändern zudem Produktivität, Innovationsprozesse und Marktstrukturen nachhaltig. Auch für Verbraucherinnen und Verbraucher entstehen neue Chancen und Risiken. Digitale Finanzdienstleistungen wie Mobile Payment, Neo-Banking, Robo-Advisors oder digitale Wallets erleichtern den Zugang zu Finanzmärkten, bringen jedoch zugleich neue Unsicherheiten mit Blick auf Datenschutz, algorithmische Entscheidungsprozesse, IT-Sicherheit und die Bewertung digitaler Angebote mit sich. Der Alltag wird zunehmend von digitalen Informations- und Konsumumgebungen geprägt, die individuelle Entscheidungsprozesse beschleunigen, aber auch anfälliger für Informationsasymmetrien, Manipulation und Intransparenz machen. Auf staatlicher und regulatorischer Ebene eröffnet die Digitalisierung einerseits neue Wege der Leistungsbereitstellung, Automatisierung und Verwaltungsmodernisierung, stellt aber andererseits hohe Anforderungen an die Regulierung von Datenräumen, digitalem Wettbewerb, KI-Systemen und kritischen Infrastrukturen. Gleichzeitig entstehen neue wirtschaftspolitische Aufgaben: die Förderung digitaler Kompetenzen, der Schutz vor Monopolstrukturen, die Gewährleistung digitaler Teilhabe sowie die Sicherung technologischer Souveränität.
Dekarbonisierung
Die Dekarbonisierung bezeichnet den tiefgreifenden Umbau ökonomischer Systeme mit dem Ziel, Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren und einen klimaneutralen Entwicklungspfad einzuschlagen. Angetrieben durch internationale Klimaziele, technologische Innovationen und veränderte gesellschaftliche Erwartungen verändert dieser Prozess fundamentale Strukturen von Energieversorgung, Produktion, Mobilität und Konsum. Die Transformation verläuft nicht linear, sondern ist durch disruptive Technologien, regulatorische Eingriffe und veränderte Marktlogiken geprägt. Für Unternehmen bedeutet die Abkehr von fossilen Energieträgern eine weitreichende Neuausrichtung. Wertschöpfungsketten müssen klimaverträglich gestaltet, Produktionsprozesse dekarbonisiert und Investitionen in neue Technologien getätigt werden. Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Lieferketten oder klimabezogene Berichtspflichten werden zu strategischen Faktoren. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten, beispielsweise von kritischen Rohstoffen oder globalen Innovationsdynamiken, und Wettbewerbspositionen verändern sich, je nachdem, wie schnell und konsequent Unternehmen den Wandel vollziehen.
„Transformationsprozesse verändern neben vielen gesellschaftlichen Bereichen auch die Bedingungen wirtschaftlichen Handelns grundlegend.“
Auch Verbraucherinnen und Verbraucher sind Teil dieser strukturellen Verschiebungen. Klimapolitische Instrumente wie CO2-Bepreisung, neue Mobilitätsangebote, veränderte Produktpaletten oder Energieeffizienzstandards beeinflussen alltägliche Entscheidungen und die Kosten von Konsum und Versorgung. Gleichzeitig wächst der Bedarf, nachhaltige Produkte beurteilen, komplexe Preissignale verstehen und langfristige Investitionen – etwa in Energieeffizienz oder klimafreundliche Mobilität – kompetent einschätzen zu können. Für die öffentliche Hand ergibt sich ein breites Handlungsspektrum: Der Staat muss einen verlässlichen Transformationsrahmen setzen, der sowohl ökologische Ziele erreicht als auch wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht. Dies umfasst Regulierung, Förderinstrumente, Infrastrukturaufbau, Innovationspolitik und internationale Kooperation. Zugleich stehen finanzielle und institutionelle Ressourcen unter Druck, da Klimaschutzmaßnahmen, Anpassungsstrategien und soziale Abfederung parallel gestaltet werden müssen.
Demografischer Wandel
Der demografische Wandel beschreibt langfristige Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, insbesondere das Zusammenspiel von sinkenden Geburtenraten, steigender Lebenserwartung und der Verschiebung von Alterskohorten. In vielen industrialisierten Ländern führt dies zu einer alternden und teilweise auch schrumpfenden Bevölkerung. Diese Entwicklung vollzieht sich über Jahrzehnte, ist tiefgreifend und kaum umkehrbar – genau das macht sie zu einem zentralen Treiber gesellschaftlicher Transformation. Die Folgen des demografischen Wandels reichen weit über einfache Verschiebungen in der Altersstatistik hinaus. Ein rückläufiges Arbeitskräftepotenzial verändert die Funktionsweise von Arbeitsmärkten, verschärft den Fachkräftemangel und zwingt Unternehmen, Geschäftsmodelle, Personalstrategien und Produktionsprozesse grundlegend anzupassen. Arbeitskräfte werden seltener und damit wertvoller, was den Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte intensiviert. Unternehmen reagieren darauf mit flexibleren Arbeitsmodellen, verstärkter Weiterbildung, altersgerechter Arbeitsgestaltung sowie in manchen Bereichen mit Automatisierung oder Outsourcing – Entwicklungen, die auch Betriebskulturen und langfristige Unternehmensstrategien neu ausrichten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch für die Gesellschaft insgesamt ergeben sich ebenfalls weitreichende Veränderungen. Mit einer alternden Bevölkerung steigen die Ausgaben für Gesundheit, Pflege und soziale Sicherung, während gleichzeitig weniger Erwerbstätige zur Finanzierung dieser Systeme zur Verfügung stehen. Diese Verschiebung beeinflusst das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern, verändert Konsum- und Nachfrageprofile und wirft grundlegende Fragen nach intergenerationaler Gerechtigkeit und der Ausgestaltung sozialstaatlicher Sicherung auf. Auf staatlicher Ebene sind umfassende Anpassungen unvermeidlich. Die Alterung der Bevölkerung bringt erhebliche Herausforderungen für Renten-, Pflege- und Gesundheitssysteme mit sich, die strukturell und finanziell neu justiert werden müssen. Hinzu kommt, dass regionale Entwicklungsprozesse, Infrastrukturplanung und Fachkräftestrategien zunehmend von demografischen Trends abhängen. Politisch wird es notwendig sein, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die negativen Effekte des demografischen Wandels abgefedert und gleichzeitig wirtschaftliche und gesellschaftliche Handlungsspielräume erhalten bleiben.
De-Globalisierung
Unter De-Globalisierung wird die Abschwächung oder teilweise Rückabwicklung zuvor gewachsener globaler wirtschaftlicher Verflechtungen verstanden. Politische Spannungen, geopolitische Konflikte, fragile Lieferketten, strategische Abhängigkeiten, pandemiebedingte Disruptionen und neue sicherheitspolitische Prioritäten haben dazu geführt, dass Staaten und Unternehmen ihre internationalen Beziehungen neu bewerten. Statt weitergehender Liberalisierung gewinnen Regionalisierung, nationale Industriestrategien oder das „Friend-Shoring“ an Bedeutung. Diese Entwicklung verändert die Funktionsweise globaler Märkte strukturell und ist damit ein eigenständiger Treiber wirtschaftlicher Transformation. Für Unternehmen bedeutet dies, dass Standortentscheidungen, Lieferkettenmodelle und Beschaffungsstrategien neu überdacht werden müssen. Just-in-time-Strukturen verlieren an Attraktivität, während Redundanz, Diversifikation und Risikomanagement wichtiger werden. Produzierende Unternehmen stehen vor der Frage, welche Wertschöpfungsstufen strategisch wieder ins Inland oder in politisch stabile Partnerregionen verlagert werden sollten. Gleichzeitig steigen Kosten und Investitionsbedarfe, weil resiliente Strukturen seltener effizient, aber häufig stabiler sind. Für exportorientierte Branchen entstehen neue Unsicherheiten, da Marktzugänge stärker politisch reguliert und globale Wettbewerbsbedingungen volatiler werden. Auch Konsumentinnen und Konsumenten spüren diese Veränderungen: Preise können durch höhere Produktions- und Transportkosten steigen, Produktpaletten verändern sich, und Lieferengpässe werden häufiger. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Herkunft, Sicherheit und Stabilität in Kaufentscheidungen – sei es bei Lebensmitteln, Technikprodukten oder Energieversorgung. Die ausdifferenzierte globale Konsumwelt wird durch stärker national oder regional geprägte Angebotsstrukturen ergänzt oder teilweise abgelöst. Für die staatliche Wirtschafts- und Handelspolitik entstehen ebenfalls neue Aufgaben. Nationalstaaten müssen Versorgungs- und Technologiesouveränität sichern, kritische Infrastrukturen schützen und außenwirtschaftliche Abhängigkeiten besser steuern. Handelsabkommen, Exportkontrollen, Investitionsprüfungen oder industriepolitische Programme gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig stehen Staaten vor der Herausforderung, wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten, ohne protektionistische Tendenzen zu verstärken oder internationale Kooperationsstrukturen zu gefährden.
Die vier großen Transformationstrends und ihre ökonomischen Auswirkungen in Anlehnung an Demary et al. 2024![]() © IÖB |
Implikationen für die finanzielle und ökonomische Bildung
Die beschriebenen Transformationsprozesse verändern nicht nur wirtschaftliche Strukturen, politische Steuerungsmechanismen und individuelle Handlungskontexte, sondern auch die Voraussetzungen, unter denen Menschen finanzielle und ökonomische Entscheidungen treffen müssen. Digitalisierung, demografischer Wandel, Dekarbonisierung und De-Globalisierung erzeugen ein Umfeld, das durch hohe Unsicherheit, beschleunigte Innovationszyklen und komplexere Zusammenhänge geprägt ist. Daraus ergeben sich erweiterte Anforderungen an finanzielle und ökonomische Bildung.
„Wirtschafts- und Finanzbildung muss Menschen befähigen, in einem Umfeld wachsender Komplexität informierte, verantwortungsvolle und zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen.“
Zentral ist eine Stärkung zukunftsbezogener ökonomischer Kompetenzen, die Individuen befähigen, Entscheidungen unter Unsicherheit und in dynamischen Kontexten zu treffen. Dazu zählt der reflektierte Umgang mit Risiken, die Fähigkeit, langfristige Konsequenzen einzuschätzen, und ein Verständnis für strukturelle Veränderungen in Arbeitsmärkten, Finanzsystemen und globaler Wirtschaft. In einer digitalisierten Wirtschaft müssen Lernende darüber hinaus Kompetenzen zur Bewertung algorithmischer Entscheidungen, zum Umgang mit digitalen Finanzprodukten sowie zur Einschätzung von Daten- und IT-Sicherheitsrisiken entwickeln. Finanzielle und ökonomische Bildung weist damit enge Bezüge zur digitalen Bildung auf (vgl. Klusmeyer in diesem Heft). Gleichzeitig gewinnt nachhaltigkeitsorientierte ökonomische Bildung weiter an Bedeutung und es ergeben sich Schnittstellen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) (vgl. u. a. Birke et al. in diesem Heft). Die Dekarbonisierung führt dazu, dass finanzielle Entscheidungen zunehmend ökologische Dimensionen einschließen, etwa bei nachhaltigen Anlagen, energieeffizienten Investitionen oder Konsumentscheidungen, die durch CO2-Bepreisung beeinflusst werden. Hierfür benötigen Lernende Kriterienwissen, Bewertungskompetenz und die Fähigkeit, widersprüchliche Zielsetzungen – etwa zwischen ökonomischer Effizienz und ökologischer Verantwortung – abzuwägen (vgl. Goldschmidt in diesem Heft). Der demografische Wandel verlangt verstärkte Kompetenzen in der langfristigen Lebens- und Vorsorgeplanung, insbesondere in Bezug auf Rente, Pflege, Erwerbsbiografien und Weiterbildung, sowie ein Verständnis dafür, wie sich demografische Veränderungen auf soziale Sicherungssysteme, Arbeitsmärkte und Staatsfinanzen auswirken. Die De-Globalisierung macht es zugleich notwendig, geopolitische Risiken, internationale Abhängigkeiten und globale Marktveränderungen in ökonomische Entscheidungen einordnen zu können.
Finanzielle und ökonomische Bildung sollte diese fachlichen und querschnittlichen Kompetenzen systematisch fördern, indem sie Lernenden ermöglicht, sowohl mikro- als auch makroökonomische Entwicklungen zu verstehen, Handlungsspielräume abzuwägen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig stärkt sie die Fähigkeit, wirtschaftspolitische Prozesse kritisch zu reflektieren, Optionen zu bewerten und im Rahmen demokratischer Strukturen fundiert mitzudenken. Auf diese Weise wird finanzielle und ökonomische Bildung selbst zu einem zentralen Transformationsfaktor, der die Gesellschaft befähigt, Wandel aktiv und gestaltend zu bewältigen. Sie hat damit das Potenzial, auch auf die Entwicklung überfachlicher Transformationskompetenzen einzuwirken, wie sie etwa im Lernkompass 2030 (OECD, 2020) und vergleichbarer Rahmenkonzepte gefordert werden.
Dieser Beitrag ist veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0. Er ist digital auffindbar unter: DOI https://doi.org/10.46499/2733.3780
Literatur
- Demary, V., Matthes, J., Plünnecke, A. & Schaefer, T. (2021). Gleichzeitig: Wie vier Disruptionen die deutsche Wirtschaft verändern. Herausforderungen und Lösungen. Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln.
- Klafki, W. (1991). Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik – Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik (2. Aufl.). Beltz.
- Koller, H.-C. (2022). Bildung als Transformationsprozess. In: M. Kirschner, I. Stauffer, & A. Fritz (Hg.), Transformationen in Zeiten religiöser und gesellschaftlicher Umbrüche (S. 69–83). Nomos.
- OECD (2020). OECD Lernkompass 2030: Future of Education and Skills 2030. Rahmenkonzept des Lernens. Online: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/oecd-lernkompass-2030-all (abgerufen am: 11.12.2025).
- Schneidewind, U. (2018). Die Große Transformation: Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels. Fischer.
- Stöcker, C. (2023). Die große Beschleunigung. Pantheon.
Autorin und Autor
Prof. Dr. Carmela Aprea ist Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme an der Universität Mannheim. Sie ist zudem Direktorin des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE).
Prof. Dr. Dirk Loerwald ist Professor für Ökonomische Bildung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Wissenschaftlicher Leiter des Oldenburger Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) und Wissenschaftlicher Leiter des ökonomischen Experimentallabors Ox-Lab.
