Verteilungsfragen werden durch Degrowth drastisch verschärft
Vorschläge für eine gezielte Begrenzung des Wirtschaftswachstums, oder gar dessen Umkehr zu einem gewollten Schrumpfen der Wirtschaft, werden bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt des Wohlstandsverlustes diskutiert. Das ist auch nachvollziehbar: Degrowth würde zu erheblichen Verteilungskonflikten führen und auch die staatlichen sozialen Sicherungssysteme unter finanziellen Druck setzen. Verteilungsfragen, die bisher immer auch durch ein Wachstum der Verteilungsmasse gelöst wurden, würden durch Degrowth drastisch verschärft. Hier soll aber einmal eine andere Perspektive eingenommen werden und die Frage diskutiert werden, welche Auswirkungen jenseits der direkten Einkommenseffekte von einer Degrowth-Strategie ausgehen. Hierzu ist es sinnvoll, kurz zu überlegen, wo Wirtschaftswachstum eigentlich herkommt. Die wesentliche, zentrale Erkenntnis der Wachstumstheorie ist, dass langfristig steigende Pro-Kopf-Einkommen nicht das Resultat eines wachsenden Kapitalstocks sind, sondern einer steigenden Produktivität aller Produktionsfaktoren.
Wie kommt es aber dazu? Nur durch technischen Fortschritt, also durch einen größer werdenden Wissensbestand. Wenn dies geklärt ist, dann lohnt sich ein Blick auf die Ursachen des technischen Fortschritts. Der Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr hat genau diese untersucht. Sein zentrales Resultat ist, dass eine Kultur der Aufklärung wesentlich das Wachstumswunder ermöglicht hat, das in der westlichen Welt historisch zu beobachten war.…
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Autor
Prof. Dr. Jan Schnellenbach ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insb. Mikroökonomik an der Brandenburgischen Technischen Universität. Seine Forschungsschwerpunkte sind öffentliche Finanzen, die ökonomische Theorie der Politik und die wirtschaftspolitischen Implikationen der Verhaltensökonomik.